Die Geschichte der ICFS

Im Wintersemester 1965, ein Jahr nach der Gründung der Ingenieurschule, begannen acht Studenten ihr Studium in der Fachrichtung Maschinenbau in Soest. Darunter war der Schweizer Peter Bay, der sich Soest als Studienort ausgesucht hatte.
Zum Sommersemester 1966 entschied sich Peter Bay allerdings zum Wechsel an die Ingenieurschule in Essen, an der er dann ein Semester lang studierte.

Während dieser Zeit sah sich Peter Bay die dortigen Studenten-Verbindungen an, und ging zu den "Chatten", einer jungen Corporation, bei der er sich intensiv in das Verbindungsleben stürzte. Zurück in Soest schwärmte Peter Bay vom Verbindungsleben und konnte einige Kommilitonen dazu gewinnen, nach Essen zu fahren und sich bei den "Chatten" einige Veranstaltungen anzusehen.

In dieser Zeit wurde der Gedanke geboren, in Soest ebenfalls eine Studentenverbindung zu gründen. Man sah die neu gegründete Ingenieurrschule und das "alte" Soest als optimale Grundlage eines solchen Vorhabens. Im Wintersemester 1966/ 67 liefen daraufhin die Vorbereitungen für eine solche Gründung an.
Zuerst wurden die Farben der Corporation festgelegt. Es wurden rot und weiß für die Farben der Stadt Soest und blau für das Gemeindewappen der Gemeinde des Gründerburschen Rütli (Gelterkirchen/ Schweiz) gewählt.
Danach wurde der Zirkel entworfen. Dieser versinnbildlicht die Worte Ingenieur I, Corporation C, Frankonia F und Susatensis S. Die Schleife unter dem Zirkel bedeuted vivat, crescat, floreat (lat.: lebe, wachse und blühe). Das Fakultätszeichen wurde hinzugefügt um anzuzeigen, daß es sich um eine aktive Verbindung handelt.
Zu den Vorbereitungen gehörte ebenfalls die Anfertigung eines Schaukastens und der Schlagbretter, die vom einem Schreiner hergestellt wurden.
Der Kauf der Coleurartikel und anderer wichtiger Utensilien wurde aus einem Topf bestritten, in den die acht Studenten einen Betrag entrichtet hatten.
Es mußten allerdings auch noch einige wichtige formelle Hürden genommen werden.
So bereitete die Ausstellung einer Satzung lange Diskussionsabende, bis eine brauchbare Ausgabe aufgeschrieben war. Einer dieser Diskussionspunkte war die Anschaffung eines Vollwichses und eines Banners, die wegen des fehlenden Sponsors, aber auch durch die vorgesehene Distanz zu alten Traditionen abgelehnt wurde. Bis zum heutigen Tag wurde es nicht revidiert.

Die Suche nach einer Konstanten war nach kurzer Zeit erfolgreich. Mit dem damaligen Inhaber des Georgenkellers, Dr. Kaiser, ebenfalls ein Corporierter, wurde man sehr schnell einig und so wurde am 17. November 1967 die Ingenieur- Corporation- Frankonia-Susatensis in einem feierlichen Akt im Beisein der "Chatten" aus Essen aus der Taufe gehoben.

Um in den ersten Jahren an Stiftungsfesten teilnehmen zu können, lieh man sich Schläger und andere Utensilien bei den Drakonen in Meschede aus.

Vom Gründungstag an bemühten sich die acht Burschen in der Ingenieurschule weitere Mitglieder für die Verbindung zu gewinnen. Die Resonanz bei den Kommilitonen war erst zurückhaltend. Doch dann konnte Athos als einer der ersten Füchse getauft und in die Verbindung aufgenommen werden.

Da der Besitzer des Georgenkellers wechselte und dieser nun mehr als Restaurant denn als Kneipe genutzt wurde, mußte man sich nach dem ersten Stiftungsfest nach einer neuen Konstanten umsehen. Die guten "Verbindungen" von Athos zu Hanns Hilchenbach, dem Besitzer des "Hotel Drei Kronen", der zu der Zeit seine Gaststätte umbaute, verhalfen der ICFS zu einer neuen Konstanten. Die damaligen Bundesbrüder halfen Hanns Hilchenbach 1968/ 69 beim Saalumbau und richteten im Keller einen Raum mit Gewölbe ein, der den heutigen Studentenkeller darstellt. Hanns Hilchenbach stiftete daraufhin das Wappen im Keller.

Im Sommer 1968 beendeten die acht Gründerburschen ihr Studium. Die neuen Mitglieder mußten nun den Geist der Gründerburschen fortführen.
Als Rütli am 7. August 1968 in Zug in der Schweiz heiratete, trafen sich dort die Gründerburschen. Diese Gelegenheit bot sich an, den AH- Verband zu gründen. Bei einer Blitzchargenwahl wurde Rütli der erste AHx, Perkeo AHxx und Luchs AHxxx.
Beim ersten Pfingsttreffen in Rothenburg ob der Tauber 24. bis 25. Mai 1970 wurde der erste AHC abgehalten.

Eine wichtige Person in den Anfangsjahren der Verbindung war Oberingenieur Hermannn Bellen al. Zappel, ein AH einer Dortmunder Corporation. Er hatte in Soest einen Philisterzirkel gegründet mit dem Zweck einen Treffpunkt für alle Farbenbrüder, die in Soest wohnen, zu errichten. Zappel, der später zum Ehrenphilister der ICFS ernannt wurde, prägte durch seine Aktivitäten die Verbindung entscheidend.

Von Anfang an wurden auch kulturelle Veranstaltungen angeboten. Dazu zählten Filmabende, wie z.B. im Wintersemester 1970/71 an dem der damalige Studentenpfarrer Wagner den Film "Die Brücke" zeigte. Anschließend entbrannte eine Diskussion über Krieg, Verteidigung, Manipulation, Bundeswehr usw.
Ebenfalls wurde ein Rezitationsabend veranstaltet. An diesem Abend fand ein Wettstreit statt. Eine Jury hatte über die von den Bundesbrüdern vorbereiteten und vorgetragenen Beiträge zu befinden und den Sieger zu kühren. Alle diejenigen, die sich nicht vorbereitet hatten mußten einen Kantus vortragen, was zur Erheiterung beitrug.
Ein beliebter Programmpunkt war und ist die Vortragskneipe. So wurden Vorträge wie z.B. "So sehe ich Chile", "Marketing und Werbung",oder "Funktechnik" gehalten. Zu diesen Vorträgen wurden dann Referenten eingeladen oder Bundesbrüder bereiteten diese vor. Ergänzt wurden sie oft mit praktischen Vorführungen.
Einen großen Raum nahm und nimmt die "Besichtigung vor Ort" in den Semesterprogrammen ein. So wurden z.B. die Dortmunder Union Brauerei, die Lehrmittelsammlung des Polizeipräsidiums in Dortmund, das Bergwerkmusuem in Ramsbeck, der Soester Anzeiger oder die Zuckerfabrik in Soest besucht.
Besonders große Abenteuer waren die Rallyes und Orientierungsfahrten durch die Soester Börde.
Eine besondere Attraktion waren die Überraschungsabende. An diesen Abenden mußten die Anwesenden Kurzreferate halten, Filme synchronisieren usw.

Auf der Semesterexkneipe des Sommersemesters 1972 war Dieter Dieckmann al. Spund zu Gast. Er war AHxx der Burschenschaft Wartburgia Pilsen zu Bochum. Auf dieser Kneipe stellte er das Problem seiner Verbindung dar. Die Burschenschaft Wartburgia Pilsen zu Bochum hatte trotz Keilarbeit keine Aktivitas mehr. Der somit bestehende
AH- Verband war nun auf der Suche nach einer Verbindung mit kleinem oder ohne AH- Verband, damit der freie AHV weiterhin am aktiven Verbindungsleben teilnehmen konnte. Der damalige AHxx Poseidon und auch die Aktivitas versuchte einen Breifwechsel aufzubauen, um mehrere Meinungen einzuholen. Dies scheiterte allerdings und so wurde auch auf dem aGC am 03.11.1973 der Antrag von Dieter Dieckmann al. Spund, bzw. von der Burschenschaft Wartburgia Pilsen zu Bochum abgelehnt.

Natürlich wollte die Verbindung von Anfang an Hilfen im Studium anbieten. So wurden Frageabende organisiert, an denen Dozenten der Fachhochschule Rede und Antwort standen. Ferner wurden auch Informationsnachmittage für Studienanfänger im Wilhelm-Morgner- Haus durchgeführt. An diesen Nachmittagen, die in Zusammenarbeit mit der Hochschulverwaltung und dem Amt für Ausbildungsförderung durchgeführt wurden, wurden zu Themen wie "Die studentische Corporation", "Die GH Paderborn", "BAFöG", "Die Studentengemeide", "Kranken- und rentenversichert" und "Die Stadt Soest" referiert. Zu diesem Zweck wurden eigens Sachverständige eingeladen.
Ebenfalls ein Projekt, was allerdings wieder eingeschlafen ist, war der Aufbau einer Bibliothek. In dieser Bibliothek waren Laborberichte, Klausuren, Ingenieurarbeiten und Fachbücher zu finden.

Der Aufbau von Freundschaften zu anderen Verbindungen ist seit dem ersten Tag ein großes Ziel. Somit sind die Planung und Durchführung von Mehrfarben- bzw. Freundschaftskneipen sowie Besuche bei anderen Verbindungen seither immer Höhepunkte in den Semestern.

Seit der Gründung steht die Familie mit im Vordergrund. Außer zu den Kneipen ist sie zu allen Veranstaltungen selbstverständlich eingeladen.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Ingenieur Corporation Frankonia Susatensis im Studenten- und Fachhochschulalltag in den Jahren seit ihrer Gründung eine feste Größe geworden ist. Auch Gefahren des Auseinanderfallens und der Spaltung durch mangelnde Aktivität, fehlende Studienmoral und zeitweises Desinteresse der AHschaft konnten überwunden werden. Die große Zahl der AH, das große Engament der Aktivitas und nicht auch zuletzt die Anstrengungen einzelner Bundesbrüder konnten garantieren, daß die Verbindung das positive Erscheinungsbild erhalten hat.

Campus Soest